Naing Htoo, 17 Jahre

Myanmar (Burma): 2009

Das Unglück traf Naing Htoo schon bei seinem ersten Kampfeinsatz. Mit einem anderen Kämpfer hetzte er durch ein Minenfeld. Seinem Kameraden riss es beide Beine ab, Naing Htoo verlor durch die gleiche Mine die linke Hand und Teile des Unterarms. Die Splitter verkrüppelten seine rechte Hand und hämmerten sich in sein Gesicht. Dabei blieben die Augen nicht verschont.

Jetzt sitzt er aufrecht auf der Holzpritsche des Milizhospitals in Koukou. Stundenlang, mit steifem Rücken, und lauscht angestrengt in seine eigene Dunkelheit. Naing Htoo ist gerade 17 Jahre alt. Der junge Mann war stolz, als er vor wenigen Monaten zum ersten Mal die Uniform tragen durfte. Gestern war seine Schwester mit ihrem kleinen Kind zu Besuch da. Als Naing Htoo mit dem Kleinen spielte, lächelte er zum ersten Mal seit zwei Monaten.

„Es ist jetzt immer dunkel. Manchmal denke ich mir, das kann nur ein böser Traum sein. Doch es wird nicht mehr hell“, sagt der Teenager leise. Seine Welt aus Dunkelheit ist voller Barrieren. Der Stuhl, der im Weg steht. Die kleine Stufe, über die er stolpert. Wie wird es erst, wenn er zurück in sein Dorf kommt? Völlig blind. Naing Htoo hat Angst davor. Aber er hat sich versprochen, dass er sie seiner Familie nicht zeigt. Damit seine Eltern nicht den Mut verlieren.

„Es ist jetzt immer dunkel. Manchmal denke ich mir, das kann nur ein böser Traum sein. Doch es wird nicht mehr hell.“

Hintergrund

(Stand 2015) Mit dem Demokratisierungsprozess seit 2011 wächst die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in Myanmar/Burma. Seit über 60 Jahre kämpfen zahlreiche Minderheiten um mehr Autonomie gegen eine durch das Militär dominierte Regierung. Der jahrzehntelange Konflikt hat Spuren hinterlassen: Tote, Verwundete und Versehrte und Gebiete, in denen es jahrzehntelang kaum zu einer Entwicklung kam. Viele Zivilsten schlossen sich Milizen an, um nicht hilflose Opfer des Konflikts zu werden. Während des Bürgerkriegs wurden ganze Gebiete stark vermint.

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So hilft Handicap International

Naing Htoo verletzte sich in einem Minenfeld schwer. Landminen können nicht zwischen Militär, Kämpfenden und Zivilbevölkerung unterscheiden und bleiben oft noch Jahre nach Konfliktende im Erdreich versteckt. Daher stammen mehr als Dreiviertel aller Minenopfer aus der Zivilbevölkerung. Verminte Gebiete stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung dar. Handicap International setzt sich für die Durchsetzung des Verbotes von Landminen ein.

Durch die chaotischen Verhältnisse in Krisensituationen wie in Myanmar werden Menschen mit Behinderung häufig von internationalen Nothilfe-Maßnahmen ausgeschlossen. Sie werden bei der Planung von Nothilfe-Einsätzen oft schlichtweg übersehen. Handicap International leistet spezialisierte Hilfe und Vorsorge, um genau diese Menschen zu unterstützen.