Boniface Kapindo, 60 Jahre

Uganda: 2012

Glück ist eine Frage des Betrachtens. Vor allem dann, wenn eine Landmine einem beide Beine abreißt und die Knochen zerfetzt. Boniface Kapindo ist das passiert. Auf seinem eigenen Feld. Kartoffeln und Bananen hat er dort angebaut. In den steilen Hängen, die in der Regenzeit so wunderschön satt leuchten. Nahe der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, an der einst der Krieg zum Alltag gehörte.

In den Bergen kämpften Regierungssoldaten gegen Rebellen. Beide Seiten legten Minen. In eine trat Boniface Kapindo.

Der heute 60-Jährige hatte zum Glück mutige Nachbarn. Sie zogen ihn aus dem Feld. Obwohl dort noch andere Minen liegen konnten. „Ich hatte Glück, im Dorf holte gerade ein Laster Guaven ab. Der brachte mich in die Stadt“, sagt der Minen-Überlebende. Und scheint sich über seine Worte zu wundern. Glück? Er denkt daran, wie er im Krankenhaus aufwachte. Verzweifelt die Decke abtastete, wo seine Schienbeine hätten sein sollen. Er merkte, dass er nur noch durch ein Auge sehen konnte, weil das andere durch einen Splitter erblindet war.

„Wie ein halber Mensch habe ich mich gefühlt. Verstehen Sie, wie ein halber Mann. Ich brauchte lange, um zu akzeptieren, was geschehen war“, sagt er. Zurückkehren in die Berge, das ist aufgrund seiner Amputationen nicht mehr möglich. Die Wege sind zu steil, zu viele unüberwindbare Barrieren, wenn man nur noch zwei Stümpfe hat, die in Prothesen stecken.

Boniface Kapindo hat es geschafft, sich und seiner Familie ein bescheidenes, aber sicheres Leben im Tal aufzubauen. Er besitzt einen kleinen Laden in einer gemauerten Bude. Der 60-Jährige will sein Geschäft vergrößern, der Rohbau steht. Jetzt spart er auf den Zement für rund 15 Quadratmeter Boden. Doch dafür braucht er zum Glück kein Glück mehr.

„Wie ein halber Mensch habe ich mich gefühlt. Ich brauchte lange, um zu akzeptieren, was geschehen war.“

Hintergrund

(Stand 2013) 524 Menschen starben in Uganda an den Folgen von Minenexplosionen, 2220 leben seit einem Minenunfall mit schweren Behinderungen. Das sagen zumindest Zahlen aus dem Jahr 2010. Vermutlich sind es wesentlich mehr Opfer, vor allem Getötete. Die Statistiker erheben keinen Anspruch, ein vollständiges Zahlenwerk erarbeitet zu haben. Es ist ihnen schlichtweg nicht möglich. In den Jahrzehnten des Bürgerkriegs wurden im Westen und vor allem im Norden ganze Landstriche mit Minen und Blindgängern verseucht. Die ugandische Zivilbevölkerung hatte jahrzehntelang unter Diktatur und Kriegen zu leiden. Verschiedenste Rebellengruppen lieferten sich heftige Kämpfe mit der Armee. An der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo kam es vor allem in den 1990-er Jahren zu schweren Kampfhandlungen. In dem 20 Jahre andauernden Bürgerkrieg im Norden Ugandas terrorisierte die Lord’s Resistance Army (LRA) vom Sudan aus die Bevölkerung, die zusätzlich unter Angriffen ugandischer Regierungstruppen zu leiden hatte. 2008 wurde ein Waffenstillstandsabkommen von Vertretern beider Parteien unterzeichnet.

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So hilft Handicap International

Dem 60-jährigen Boniface Kapindo aus Uganda riss die Explosion einer Landmine, während der Arbeit auf seinem Feld, beide Beine ab. Landminen können nicht zwischen Militär, Kämpfenden und Zivilbevölkerung unterscheiden und bleiben oft noch Jahre nach Konfliktende im Erdreich versteckt. Daher stammen mehr als Dreiviertel aller Minenopfer aus der Zivilbevölkerung. Verminte Gebiete stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung dar. Handicap International setzt sich für die Durchsetzung des Verbotes von Landminen ein.